Verkrustete, juckende Stellen in der Fesselbeuge sind im Spätsommer nicht automatisch Mauke. Herbstgrasmilben erzeugen ein sehr ähnliches Bild, sind aber nur vom Spätsommer bis in den mittleren Herbst unterwegs. Das verlässlichste Unterscheidungsmerkmal ist ein winziger orangefarbener Punkt in der Mitte der Quaddel, denn dieser Punkt ist die Milbenlarve selbst.
Ende August, Dein Pferd stampft beim Putzen, und in der Beuge sitzen Krusten, die gestern noch nicht da waren. Der erste Gedanke ist Mauke. Wer dann nach Hilfe sucht, stößt vor allem auf Öl-Empfehlungen.
Wie unterscheiden sich Grasmilben und Mauke an der Fesselbeuge?
Mauke ist keine einzelne Krankheit, sondern ein unspezifisches Reaktionsmuster der Haut an den unteren Gliedmaßen. Ein Grasmilbenbefall ist etwas anderes, ein zeitlich begrenzter Besuch von Larven, die im Gras auf einen Wirt warten. Am schnellsten trennst Du beides über den Zeitpunkt im Jahr und über die Frage, ob außer der Fesselbeuge noch andere Stellen betroffen sind.
Das Kapitel zu den Hauterkrankungen des Pferdes in Equine Internal Medicine, 2018 beschreibt das Bild genau: Quaddeln oder Knötchen mit einem kleinen orangefarbenen Punkt in der Mitte, und dieser Punkt ist die Larve. Sie misst 0,2 bis 0,4 Millimeter, ist oval und hat sechs Beine. Beim Pferd sitzen die Stellen am häufigsten im Gesicht und am Maul, an den unteren Gliedmaßen sowie an Brust und Bauchunterseite. Die Art, um die es in unseren Breiten geht, Neotrombicula autumnalis, ist vom Spätsommer bis in den mittleren Herbst am aktivsten, und die Larven saugen am späten Nachmittag und frühen Abend. Also genau dann, wenn Dein Pferd auf der Weide steht.
Bei Mauke sieht die Ursachenlage anders aus. Eine Übersichtsarbeit im Journal of the American Veterinary Medical Association, 2023 beschreibt sie als Zusammenspiel mehrerer Faktoren, bei dem dauerhafte Nässe und eine geschwächte Hautbarriere den Anfang machen. Als gut belegte Risikofaktoren nennt sie Alter, Rasse, starken Behang, Hinterbeine und unpigmentierte Gliedmaßen. Für Wettereffekte stuft dieselbe Arbeit die Belege ausdrücklich als nicht eindeutig ein.
Woran Du beides auseinanderhältst
Merkmal
Herbstgrasmilben
Mauke
Jahreszeit
Spätsommer bis mittlerer Herbst, außerhalb davon praktisch kein Thema
An keine Jahreszeit gebunden
Auslöser
Larven aus Gras, Wald oder feuchtem Boden, aufgenommen beim Weidegang
Zusammenspiel mehrerer Faktoren, am Anfang stehen anhaltende Nässe und eine geschwächte Hautbarriere
Verteilung am Körper
Gesicht und Maul, untere Gliedmaßen, Brust und Bauchunterseite
Die Fesselbeuge, häufiger an Hinterbeinen und unpigmentierten Gliedmaßen
Hautbild
Quaddeln oder Knötchen mit einem winzigen orangefarbenen Punkt in der Mitte
Schuppen, Krusten und nässende Stellen in der Beugefalte
Sichtbarer Auslöser
Die Larve selbst, 0,2 bis 0,4 Millimeter, oval, sechs Beine
Keiner, den Du sehen kannst
Warum ist die Verwechslung mehr als ein Etikett?
Die Einordnung entscheidet darüber, was als Nächstes auf die Haut kommt. Bei Mauke ist die anhaltende Feuchtigkeit in der Beuge Teil des Problems, und ein fettender Film legt sich genau darüber. Was bei einem Besucher auf der Hautoberfläche naheliegt, arbeitet bei einer aufgeweichten Hautbarriere gegen das Ziel.
In den Empfehlungen, die man zu diesem Thema findet, stecken zwei sehr verschiedene Sorten Öl, und beide gehen auf ihre eigene Weise am Ziel vorbei. Ätherische Öle wie Teebaumöl verdunsten und hinterlassen nichts, was die Nässe abhält, dazu kommt bei unverdünnter Anwendung ein Risiko, das wir im Artikel zu Teebaumöl bei Mauke im Einzelnen aufgeschrieben haben. Fette Öle bleiben dagegen liegen. Auf trockener Haut ist das ein Schutz, auf einer Haut, deren eigentliches Problem die Feuchtigkeit ist, schließt der Film sie ein.
Deshalb lohnt der zweite Blick, bevor etwas aufgetragen wird. Er kostet zwei Minuten. Falsch eingeordnet kostet der Griff ins Regal deutlich mehr.
Was tust Du, wenn Du unsicher bist?
Sieh Dir die Stelle bei Tageslicht genau an und such nach den orangefarbenen Pünktchen. Geh danach das ganze Pferd ab, also auch Maul, Brust und Bauchunterseite. Bleibt es unklar, nässt die Stelle oder lahmt Dein Pferd, gehört das in tierärztliche Hände.
Bei Tageslicht schauen, nicht im Dämmerlicht der Stallgasse. Die Larven sind winzig und fallen nur durch ihre Farbe auf.
Nicht nur die Beuge ansehen, sondern auch Maul, Brust und Bauchunterseite.
Die Beine nach dem Weidegang sauber machen und vor allem gründlich abtrocknen, das hilft in beiden Fällen.
Bei offenen, nässenden oder größer werdenden Stellen die Tierärztin holen, statt weiter auszuprobieren.
Wie sich eine gesunde Fesselbeuge anfühlt und woran Du eine Veränderung früh bemerkst, steht im Hand-Check für die Fesselbeuge. Und wenn sich der Verdacht auf Mauke erhärtet, findest Du den ganzen Hintergrund zu Formen, Ursachen und Pflege in unserem Artikel zu den Grundlagen von Mauke. Für die Pflege danach, auf gereinigter und abgetrockneter Haut, ist unsere Propolis Pflegesalbe gemacht.
Der Spätsommer bringt beides in dieselbe Beuge, und von außen sehen sie sich ähnlich. Der Unterschied steckt im Detail: in der Jahreszeit, in der Verteilung am Körper und in einem orangefarbenen Punkt, den Du sehen kannst, wenn Du danach suchst.
Dieser Beitrag ist aus der Pflege-Perspektive geschrieben und ersetzt keine tierärztliche Behandlung. Bei Unsicherheit über Symptome bei Deinem Pferd wende Dich an die Tierärztin oder den Tierarzt Deines Vertrauens.