Helles Islandpferd auf einer verschneiten Koppel im Morgenlicht

Sommerekzem beim Pferd: Warum die Prävention jetzt im Februar beginnen muss

Anne Sophie Hertrampf · 15 Min. Lesezeit

Inhalt
  1. Der stille Feind: Warum das Ekzem im Winter schläft, und die Ekzem-Saison im Winter mitentschieden wird
  2. Die Illusion der Winterruhe
  3. Warum entscheidet die Hautbarriere über die Ausprägung?
  4. Ein Blick unter das Mikroskop: Warum die Hautbarriere so wichtig ist
  5. Leber, Entgiftung, Histamin: Was ist davon belegt?
  6. Was gesichert ist, und wo die Kette abreißt
  7. Stoffwechsel-Support im Vorfrühling: Jetzt die Leber entlasten
  8. Gezielte Mikronährstoff-Strategie: Zink, Schwefel und Fettsäuren
  9. Zink: Der Meister der Zellregeneration
  10. Schwefel und Fettsäuren: Bausteine für Haut und Haar
  11. Das Milieu unattraktiv machen: Hautmilieu vs. Kriebelmücken-Abwehr
  12. Geruch und Hautsekrete: Warum manche Pferde bevorzugt werden
  13. Topische Vorbereitung: Geschmeidigkeit statt Krusten
  14. Strategische Überlegungen für den Standort
  15. Mechanischer Schutz und Zeitmanagement: Die Ekzemerdecke 2.0
  16. Wann ist der strategisch richtige Zeitpunkt?
  17. Die Ekzemerdecke als zweite Haut
  18. Der Heavens-Fahrplan: Von der Vorbereitung zur Hochsaison
  19. Was ist von den einzelnen Bausteinen belegt?
  20. Checkliste für den März: Jetzt die letzten Weichen stellen
  21. Fütterung überprüfen
  22. Leber-Support
  23. Hautpflege
  24. Ekzemerdecke bereit halten
  25. Umgebung anpassen
  26. Quellen
  27. Über diesen Artikel

Sommerekzem ist eine allergische Reaktion auf den Speichel von Kriebelmücken und Gnitzen. Der Verlauf einer Saison entscheidet sich nicht erst beim ersten Stich, sondern an der Ausgangslage von Hautbarriere, Stoffwechsel und Immunsystem. Das braucht Wochen, um sich aufzubauen. Deshalb beginnt die Vorbereitung im Februar und nicht im Mai.

Jeder Besitzer eines Islandpferdes, Ponys oder eines anderen Ekzemer-geplagten Pferdes kennt das Dilemma: Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen und dem Erwachen der Natur beginnt für unsere Vierbeiner oft ein Martyrium aus Juckreiz, Scheuern und offenen Wunden. Das Sommerekzem ist nicht nur eine lästige Hautreaktion, sondern eine komplexe allergische Dermatitis, ausgelöst durch den Speichel von Kriebelmücken und Gnitzen. Doch entgegen der landläufigen Meinung beginnt die eigentliche Einflussnahme auf den Verlauf des Ekzems nicht erst mit den ersten Insektenstichen im Frühling, sondern bereits jetzt, im oft noch kalten und unscheinbaren Februar. In diesem umfassenden Leitfaden lüften wir das Geheimnis, warum das Ekzem im Winter zwar kaum sichtbar ist, seine Voraussetzungen aber tief in den Stoffwechselprozessen und der Immunlage des Pferdes zu dieser Jahreszeit angelegt werden. Wir zeigen Dir, wie Du mit einer strategischen und vorausschauenden Prävention die Haut Deines Pferdes weniger anfällig für Reizungen durch Kriebelmücken machen und so den Teufelskreis aus Juckreiz und Entzündung von Beginn an abmildern können. Es ist Zeit, das Ruder rechtzeitig herumzureißen und die Ekzemer-Saison nicht nur zu erdulden, sondern aktiv zu gestalten.

Der stille Feind: Warum das Ekzem im Winter schläft, und die Ekzem-Saison im Winter mitentschieden wird

Die Ekzemer-Saison beginnt nicht im Frühling, sie beginnt im Februar.

Die Illusion der Winterruhe

Während des Winters scheint das Sommerekzem inaktiv zu sein. Die Kriebelmücken und Gnitzen, die Hauptauslöser, sind noch nicht aktiv. Doch unter der Oberfläche bereitet sich der Pferdeorganismus bereits auf die kommende Saison vor. Das Immunsystem und der Stoffwechsel des Pferdes sind nicht im Winterschlaf, sondern arbeiten kontinuierlich. Eine präventive Strategie, die bereits im Februar einsetzt, nutzt diese Ruhephase, um die körpereigenen Abwehrmechanismen gezielt zu stärken und das Fundament für eine widerstandsfähige Haut zu legen. Gerade während des bevorstehenden Fellwechsels wird die Hautbarriere zusätzlich beansprucht. Das Sommerekzem ist selten das Ergebnis eines einzigen Faktors, meist kommen genetische Veranlagung, Immunstatus, Hautbarriere, Fütterung und Haltungsbedingungen zusammen. Belastungen, die im Winter unbemerkt bleiben, können dazu führen, dass die Reaktionsschwelle des Organismus im Frühjahr niedriger liegt und das Pferd stärker auf die ersten Stiche reagiert. Wer jetzt handelt, entlastet das System proaktiv und verschafft Haut und Immunsystem mehr Puffer für die anstehende Insektensaison. Dazu gehört der Start in die Weidesaison, weil junges Gras den Stoffwechsel und damit die Haut fordert.

Warum entscheidet die Hautbarriere über die Ausprägung?

Die Haut ist nicht nur das größte Organ des Pferdes, sondern auch seine primäre Schutzbarriere gegen Umwelteinflüsse, Krankheitserreger und, im Falle des Sommerekzems, Insektenspeichel. Ist diese Barriere geschwächt, liegt die Reaktionsschwelle niedriger. Eine Untersuchung der Universität Bern fand entsprechende Veränderungen sogar in der symptomfreien Haut von Ekzemer-Pferden und hält die Barriere deshalb für einen prädisponierenden Faktor.

Dass die Barriere hier tatsächlich eine Rolle spielt, ist nicht nur plausibel, sondern gemessen. Eine Untersuchung der Universität Bern hat das Transkriptom der Haut von Ekzemer-Pferden mit dem gesunder Kontrollpferde verglichen. In den betroffenen Stellen waren Gene für die Bildung von Tight Junctions herunterreguliert, dazu kamen Veränderungen an den Keratinen.

Entscheidend für diesen Artikel ist der zweite Befund: Auch in der symptomfreien Haut derselben Pferde unterschieden sich Gene des Hautfett-Stoffwechsels und der Juckreizentstehung von denen gesunder Tiere. Die Autorinnen und Autoren halten eine beeinträchtigte Barriere deshalb für einen prädisponierenden Faktor und nicht bloß für eine Folge der Stiche. Genau das ist der sachliche Grund, im Februar anzufangen und nicht im Mai.

Ein Blick unter das Mikroskop: Warum die Hautbarriere so wichtig ist

Wenn eine Kriebelmücke oder Gnitze zusticht, injiziert sie Speichelproteine in die Haut des Pferdes. Bei einem Ekzemer-Pferd löst dies eine übersteigerte Immunreaktion aus, die sich als massiver Juckreiz und Entzündung äußert. Eine robuste Hautbarriere fungiert hier wie ein physikalischer Schild: Ist die Haut geschmeidig und gut durchblutet, neigt sie weniger zu Rissen, Krusten und Nässungen, und die Folgen der Stiche können milder ausfallen und schneller abheilen. Eine geschwächte, trockene oder rissige Haut hingegen ist anfälliger für Entzündungen, Sekundärinfektionen und verstärkten Juckreiz, wie eine weit geöffnete Tür für zusätzliche Reize.

Im Winter ist die Haut des Pferdes oft besonderen Belastungen ausgesetzt: trockene Stallluft, Temperaturschwankungen, Deckenreibung und ein erhöhter Bedarf an bestimmten Nährstoffen für den Fellwechsel. Diese Faktoren können die Haut austrocknen und ihre Elastizität beeinträchtigen. Schon jetzt kann sich eine unterschwellige Schwächung der Hautbarriere anbahnen, die im Frühjahr, wenn die Mücken aktiv werden, zum sichtbaren Problem wird. Die Hautelastizität stärken ist daher ein essenzieller Baustein der Sommerekzem vorbeugen Strategie, von der Fütterung bis zur täglichen Pflege.

Eine geschmeidige Haut ist die erste Verteidigungslinie gegen das Sommerekzem.

Leber, Entgiftung, Histamin: Was ist davon belegt?

In Ratgebern zum Sommerekzem steht die Leber weit oben. Die Kette lautet meist: Die Leber baut Histamin ab, ein belasteter Stoffwechsel kann das schlechter, also reagiert das Pferd heftiger. Das klingt schlüssig, und genau deshalb lohnt der Blick darauf, wie gut es belegt ist.

Wir haben es nachgezählt. In PubMed finden sich 175 Arbeiten zum Sommerekzem beim Pferd. Verknüpft man die Suche mit Leber, Entgiftung oder Lebermedizin, bleibt eine übrig, und die untersucht Leberwerte als Sicherheitsendpunkt einer Impfstoffstudie. Zur Frage, ob ein entlasteter Leberstoffwechsel den Verlauf des Sommerekzems beeinflusst, gibt es damit keine Untersuchung am Pferd.

Ein gestresster Stoffwechsel reagiert schneller, und heftiger.

Infografik: Kreislauf aus Hautbarriere, Stoffwechsel und Immunsystem rund um die Entgiftung
Modellhafte Darstellung des Zusammenspiels von Stoffwechsel, Immunsystem und Haut. Der Leber-Anteil daran ist beim Pferd nicht untersucht, siehe den Abschnitt oben.

Was gesichert ist, und wo die Kette abreißt

Gesichert ist der immunologische Teil. Das Sommerekzem ist eine IgE-vermittelte Typ-I-Allergie: Beim Stich binden Allergene an IgE auf Mastzellen, diese schütten Histamin und weitere Entzündungsmediatoren aus, daraus entsteht der Juckreiz. Das beschreibt eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 ebenso wie eine Arbeit in Frontiers in Allergy.

Richtig ist auch, dass die Leber am Abbau biogener Amine beteiligt ist. Was nicht gezeigt ist, ist das Bindeglied: dass eine im Alltag „belastete" Leber beim Pferd zu messbar mehr Juckreiz führt, oder dass eine Kur daran etwas ändert.

Wir führen das hier als Erfahrungswert, nicht als Wirkmechanismus. Ein ruhiger Stoffwechsel, gutes Grundfutter und keine Reizfütterung sind vernünftig, unabhängig davon. Als Versprechen gegen das Ekzem taugen sie nicht.

Stoffwechsel-Support im Vorfrühling: Jetzt die Leber entlasten

Der Februar ist der ideale Zeitpunkt, um den Leberstoffwechsel gezielt zu unterstützen und zu stärken. Eine Fütterung bei Sommerekzem, die auf ein leberfreundliches Profil ausgerichtet ist, kann Entgiftungsprozesse fördern und so die Basis für eine stabile Hautfunktion schaffen. Natürliche Bitterstoffe, schwefelhaltige Aminosäuren und Antioxidantien sind hierbei Schlüsselkomponenten, die in vielen ernährungsmedizinischen Konzepten eingesetzt werden. Ein proaktiver Stoffwechsel-Support im Vorfrühling entlastet das System und bereitet es optimal auf die Herausforderungen der kommenden Insektensaison vor.

Gezielte Mikronährstoff-Strategie: Zink, Schwefel und Fettsäuren

Die richtige Nährstoffversorgung ist das A und O für eine starke Haut und ein robustes Immunsystem. Insbesondere einige Spurenelemente, Vitamine und Fettsäuren spielen eine zentrale Rolle bei der Prävention des Sommerekzems, und sollten gerade bei prädisponierten Pferden sorgfältig im Auge behalten werden.

Zink: Der Meister der Zellregeneration

Zink beim Pferd ist unerlässlich für die Zellteilung, die Regeneration der Haut und die Funktion des Immunsystems. Bei einem Mangel ist die Haut anfälliger für Verletzungen, Risse und verzögerte Regeneration. Da Zink nicht in großen Mengen gespeichert wird und die Aufnahme aus dem Futter oft langsam erfolgt, muss die Versorgung kontinuierlich gewährleistet sein. Bereits jetzt im Februar sollte eine ausreichende Zinkzufuhr sichergestellt werden, damit der erhöhte Bedarf des Fellwechsels gedeckt ist. Dass eine über den Bedarf hinausgehende Zinkgabe den Ekzemverlauf beeinflusst, ist damit nicht gesagt und auch nicht belegt.

Für akut nässende, stark entzündete Stellen werden häufig zinkhaltige Präparate eingesetzt, die die Haut trocknen und schützen. Ergänzend oder in weniger nässenden Phasen können Propolis-haltige Balsame eine Option sein, um die Regeneration irritierter Haut zu unterstützen und einen pflegenden Film auf der Hautoberfläche aufzubauen, wie wir es auch im Artikel zu Mauke beschreiben, immer angepasst an den Zustand der Haut und idealerweise in Rücksprache mit dem Tierarzt. Wichtig: Propolis ist ein Naturprodukt mit vielen aktiven Inhaltsstoffen und kann, selten, selbst allergische Reaktionen auslösen. Teste neue Propolis-Produkte daher immer zunächst an einer kleinen, intakten Hautstelle und brich die Anwendung bei Rötungen oder starker Reizung ab.

Schwefel und Fettsäuren: Bausteine für Haut und Haar

Organisch gebundener Schwefel (z.B. in MSM) ist ein wichtiger Bestandteil von Kollagen und Keratin, den Hauptproteinen der Haut und des Haares. Er trägt zur Elastizität, Belastbarkeit und Festigkeit der Haut bei. Essentielle Fettsäuren (Omega‑3 und Omega‑6), oft nur begrenzt im Raufutter vorhanden, sind Bausteine der Zellmembranen und des Lipidfilms. Für das Sommerekzem ist die Erwartung an sie allerdings zu hoch: In einer doppelblinden Studie mit 200 ml Leinöl täglich veränderte sich der Juckreiz nicht messbar, siehe den Abschnitt zur Studienlage weiter unten.

Das Milieu unattraktiv machen: Hautmilieu vs. Kriebelmücken-Abwehr

Abgesehen von der inneren Stärkung gibt es auch äußere Faktoren und strategische Maßnahmen, um die Belastung Deines Pferdes durch Kriebelmücken zu reduzieren. Hier geht es darum, die Kriebelmücken Abwehr zu optimieren, indem man sowohl das äußere Milieu als auch das Management konsequent anpasst. Wer unsicher ist, ob eine Hautreaktion überhaupt zum Ekzem gehört, findet die Abgrenzung unter Insektenstich oder Sommerekzem.

Geruch und Hautsekrete: Warum manche Pferde bevorzugt werden

Kriebelmücken und Gnitzen werden von bestimmten Gerüchen, Gasen und Hautsekreten angezogen. Die Zusammensetzung dieser Sekrete wird unter anderem durch den Stoffwechsel, die Fütterung und den Zustand der Haut beeinflusst. Ziel einer durchdachten Fütterungs- und Pflegestrategie ist es daher, Haut und Stoffwechsel so zu unterstützen, dass sich das Hautmilieu stabilisiert und Entzündungen reduziert werden, in Kombination mit mechanischen Barrieren und einem angepassten Weidemanagement kann das dazu beitragen, die Gesamtzahl der Stiche zu verringern.

Prävention beginnt nicht mit der Decke, sondern mit der Haut.

Topische Vorbereitung: Geschmeidigkeit statt Krusten

Neben der inneren Stärkung ist die äußere Pflege der Haut von großer Bedeutung. Öle, spezielle Lotionen und Propolis-Balsame, die die Haut geschmeidig halten und eine physikalische Schutzschicht bilden, können bereits jetzt zum Einsatz kommen. Sie verhindern das Austrocknen, unterstützen die natürliche Barrierefunktion und agieren als zusätzliche Schicht zwischen Hautoberfläche und äußeren Reizen. Ein regelmäßiges Einölen oder Einreiben betroffener Stellen (auch im Winter) hält die Haut elastisch und beugt Mikrorissen vor. Denk daran: Eine gut gepflegte, geschmeidige Haut ist weniger anfällig für Krusten, Risse und Sekundärinfektionen, die den Juckreiz zusätzlich verstärken. Ein besonderer Baustein in der topischen Vorbereitung ist Propolis, das Harz der Bienen, das sie im Stock zur Abdichtung und zum Schutz vor Keimen einsetzen. Propolis-haltige Balsame kombinieren eine pflegende Fettbasis mit den natürlichen Inhaltsstoffen der Bienenprodukte und werden in der Pferdepraxis häufig zur Unterstützung gereizter, juckender und leicht irritierter Haut eingesetzt. Sie können helfen, die gereizte Haut zu beruhigen, die Regeneration zu unterstützen und einen zusätzlichen Schutzfilm auf der Oberfläche zu bilden.

Strategische Überlegungen für den Standort

Auch der Standort des Pferdes spielt eine zentrale Rolle. Windige Weiden, fernab von stehenden Gewässern und sumpfigen Gebieten, können die Belastung durch Mücken deutlich reduzieren. Für Ekzemer-Pferde ist es oft ratsam, sie während der Hauptflugzeiten (Dämmerung) in den Stall zu holen und Weidezeiten so zu planen, dass die Mückenbelastung möglichst gering bleibt.

Management-Checkliste

  • Windoffene Weiden Standortwahl mit natürlichem Windschutz gegen Mücken.
  • Abstand zu stehenden Gewässern Brutstätten von Kriebelmücken meiden.
  • Dämmerungsmanagement Pferde während der Hauptflugzeiten einstallen.
  • Anpassung der Weidezeiten Weidegang an Mückenaktivität anpassen.

Mechanischer Schutz und Zeitmanagement: Die Ekzemerdecke 2.0

Die Ekzemerdecke ist für viele Ekzemer-Pferde ein unverzichtbarer Bestandteil der Präventionsstrategie. Doch der Zeitpunkt des Eindeckens ist entscheidend und in der Praxis häufig eine kritische Fehlerquelle.

Wann ist der strategisch richtige Zeitpunkt?

Der häufigste Fehler ist, mit dem Anlegen der Ekzemerdecke zu warten, bis das Pferd bereits zu scheuern beginnt. Zu diesem Zeitpunkt hat die allergische Reaktion meist schon eingesetzt, die Haut ist gereizt, und der Teufelskreis des Juckreizes ist in vollem Gange. Eine Ekzemerdecke dient in erster Linie dem Schutz vor Stichen, nicht der Behandlung bereits bestehender, akut entzündeter Hautveränderungen.

Der strategisch richtige Zeitpunkt ist daher präventiv, also bevor die ersten Kriebelmücken in Ihrer Region deutlich aktiv werden. Das bedeutet je nach regionaler Witterung und Mikroklima oft schon im März oder sogar Ende Februar. Behalte die Wettervorhersage, die Entwicklung der Temperaturen und die ersten Anzeichen für Insektenaktivität genau im Auge. Es ist in der Regel besser, die Decke etwas zu früh anzulegen, als das Risiko eines einzigen Stiches einzugehen, der bei einem hochsensiblen Ekzemer eine massive Reaktion auslösen kann.

Die Ekzemerdecke schützt vor dem Stich, nicht vor der Entzündung.

Die Ekzemerdecke als zweite Haut

Moderne Ekzemerdecken sind atmungsaktiv und bieten einen hohen Tragekomfort. Sie schützen nicht nur vor Mückenstichen, sondern auch vor UV-Strahlung, die die empfindliche Haut zusätzlich reizen und Photosensibilisierungen begünstigen kann. Achte auf eine gute Passform, ausreichend Bewegungsfreiheit und ein hautfreundliches Material, um Scheuerstellen zu vermeiden, die wiederum Hautirritationen verursachen könnten. Die Ekzemerdecke ist damit eine effektive physische Barriere und ein wichtiger Pfeiler der Sommerekzem vorbeugen Strategie, in Kombination mit Fütterung, Pflege und Haltungsmanagement.

Der Heavens-Fahrplan: Von der Vorbereitung zur Hochsaison

Die erfolgreiche Prävention des Sommerekzems erfordert einen ganzheitlichen und gut durchdachten Ansatz. Es ist ein Marathon, kein Sprint. Mit dem Wissen über die Bedeutung des Februars als Startschuss für Stoffwechsel-Support, Hautpflege, Mikronährstoffversorgung und mechanischen Schutz kannst Du einen entscheidenden Vorsprung gewinnen und Deinem Pferd spürbar mehr Lebensqualität durch die Saison hindurch schenken. Denselben Fahrplan gibt es zum Mitverfolgen als interaktiven Ekzemer-Begleiter im Expert Circle, mit einer Checkliste für jeden Monat.

Infografik: Zeitstrahl von Februar bis August mit den Pflegeschritten je Monat
Zeitstrahl: die Pflegeschritte von Februar bis August im Überblick

Was ist von den einzelnen Bausteinen belegt?

Dieser Artikel empfiehlt einiges. Fairerweise gehört dazu, wie gut die einzelnen Bausteine belegt sind, denn das ist sehr unterschiedlich. Eine Übersichtsarbeit von 2023 fasst den Stand zusammen: Für einen Teil der Bausteine gibt es kontrollierte Studien, für andere nur Erfahrungswerte.

Einen Satz daraus muss man aushalten: Für das Sommerekzem gibt es derzeit keine Heilung. Das Management ist lebenslang.

Die Fütterungsseite ist die schwächste. Friberg und Logas gaben siebzehn Pferden sechs Wochen lang täglich 200 ml Leinöl, doppelblind und im Wechsel gegen Maisöl. Weder der Juckreiz noch die Fläche der Hautveränderungen veränderten sich messbar. Bemerkenswert ist der Nebensatz: Die meisten Besitzer berichteten trotzdem von einer Besserung. Genau deshalb sind Erfahrungsberichte hier keine gute Entscheidungsgrundlage.

Bausteine und Belege

Baustein Was er leisten soll Wie gut belegt
Stichvermeidung Decke, Stallzeiten in der Dämmerung, Repellents, windoffene Weiden Der tragende Teil. Die Übersichtsarbeit nennt genau diese Maßnahmen als Kern des Managements
Hautbarriere Geschmeidigkeit erhalten, Austrocknen vermeiden Barriereunterschiede sind gemessen, auch in symptomfreier Haut. Dass Pflege sie verändert, ist beim Pferd nicht untersucht
Zink und MSM Bausteine für Haut und Haar bereitstellen Bedarfsdeckung ist sinnvoll. Ein Effekt darüber hinaus auf den Ekzemverlauf ist nicht belegt
Omega-3 Juckreiz dämpfen In einer doppelblinden Studie ohne messbaren Effekt auf den Juckreiz
Leber-Support Histaminabbau verbessern, Reaktionsschwelle heben Keine Untersuchung am Pferd. Erfahrungswert

Checkliste für den März: Jetzt die letzten Weichen stellen

Fütterung überprüfen

Ist die Fütterung auf die Bedürfnisse eines Ekzemers abgestimmt? Sind ausreichend Zink, Schwefel und essentielle Fettsäuren enthalten? Beginne jetzt mit gezielter Nahrungsergänzung für Leber und Haut, idealerweise in Abstimmung mit einer fachkundigen Ernährungsberatung oder Deinem Tierarzt.

Leber-Support

Starte eine Kur zur Leberentlastung und -stärkung mit leberunterstützenden Kräutern oder Ergänzungen, die auf Dein Pferd abgestimmt sind. So förderst Du den Stoffwechsel genau zu dem Zeitpunkt, an dem der Organismus auf die kommende Belastung vorbereitet werden soll.

Hautpflege

Beginne mit der regelmäßigen topischen Pflege (z.B. mit speziellen Ölen oder Lotionen), um die Hautelastizität zu stärken und das Hautmilieu zu stabilisieren. Konzentriere Dich dabei besonders auf bekannte Problemzonen wie Mähnenkamm, Schweifansatz und Bauchnaht. Eine achtsame Pflegeroutine hilft dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Ekzemerdecke bereit halten

Reinige und überprüfe Deine Ekzemerdecke. Stelle sicher, dass sie intakt, gut passend und sofort einsatzbereit ist, sobald die Temperaturen steigen und die ersten Insekten gesichtet werden.

Umgebung anpassen

Überlege, ob der Weidegang, die Koppelwahl oder die Haltungsbedingungen optimiert werden können, um die Belastung durch Mücken zu minimieren, etwa durch windoffene Flächen, Schattenplätze und angepasstes Zeitmanagement für den Aufenthalt im Freien.

Quellen

[1] Insect Bite Hypersensitivity in Horses: Causes, Diagnosis, Scoring and New Therapies. Animals, 2023.

[2] Investigating the epithelial barrier and immune signatures in the pathogenesis of equine insect bite hypersensitivity. PLOS One, 2020.

[3] Treatment of Culicoides hypersensitive horses with high-dose n-3 fatty acids: a double-blinded crossover study. Veterinary Dermatology, 1999.

[4] Allergen immunotherapy using recombinant Culicoides allergens improves clinical signs of equine insect bite hypersensitivity. Frontiers in Allergy, 2024.

Über diesen Artikel

Dieser Beitrag ist aus der Pflege-Perspektive geschrieben und ersetzt keine tierärztliche Behandlung. Bei Unsicherheit über Symptome bei Deinem Pferd wende Dich an die Tierärztin oder den Tierarzt Deines Vertrauens.

Pferdebesitzerin mit Smartphone und Prävention-Kalender im Stall
Strategische Prävention: planbar und überprüfbar

Die Ekzemer-Saison beginnt nicht mit dem ersten Stich, sie beginnt mit Deiner Entscheidung, jetzt zu handeln. Jeder Tag im Februar, an dem Du den Stoffwechsel Deines Pferdes unterstützt, die Hautbarriere stärken und die richtigen Nährstoffe bereitstellen, ist ein Tag gewonnener Vorsprung. Es ist die Summe dieser kleinen, achtsamen Maßnahmen, die den Unterschied macht zwischen einem Sommer voller Leid und einem Sommer, in dem Dein Pferd die Weide genießen kann. Prävention ist kein Luxus, sie ist ein Akt der Fürsorge.

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