Frau pflegt behutsam den Huf ihres Pferdes mit Propolis-Salbe im Stall

Mythos-Check: Hilft Sauerkraut wirklich bei Mauke?

Hausmittel-Check · Folge 1 von 7

Anne Sophie Hertrampf · 3 Min. Lesezeit

Inhalt
  1. Warum bewirkt Feuchtigkeit das Gegenteil?
  2. Warum scheitern pauschale Hausmittel?
  3. Was hilft der Haut wirklich?
  4. Was leistet Propolis an dieser Stelle?
  5. Quellen
  6. Über diesen Artikel

Milchsäurebakterien gegen Hygiene-Risiko: was hinter dem Stallklassiker steckt und was der Haut wirklich hilft.

Er kursiert in Stallgassen, Facebook-Gruppen und Reiterinnenforen seit Jahren: Sauerkraut auf die betroffene Stelle, einwirken lassen, fertig. Die Idee dahinter klingt auf den ersten Blick nicht völlig abwegig: Milchsäurebakterien sollen das Hautmilieu verschieben, schädliche Keime verdrängen und die Regeneration anstoßen.

Klingt plausibel. Ist es aber nicht.

Warum bewirkt Feuchtigkeit das Gegenteil?

Mauke (medizinisch Dermatitis im Fesselbereich) entsteht typischerweise dort, wo Haut dauerhaft feucht, mechanisch gereizt oder durch Schmutz und Matsch belastet wird. Das Grundproblem ist eine gestörte Hautbarriere. Die oberste Schutzschicht verliert ihre Funktion, Keime können eindringen, Entzündungen entstehen.

Was diese Haut als Erstes braucht: Trockenheit.

Feuchtes Sauerkraut auf bereits angegriffener Haut verlängert genau den Zustand, der das Problem erst ausgelöst hat. Die Haut mazeriert, d.h., sie wird weicher, durchlässiger, angreifbarer. Statt die Barriere zu stabilisieren, öffnet man sie weiter. Dazu kommt das Hygienerisiko: Sauerkraut ist ein fermentiertes Lebensmittel, kein steriles Pflegemittel. Welche Mikroorganismen dabei auf die Haut treffen, ist unkontrollierbar.

Dass das Milieu auf betroffenen Fesselbeugen ohnehin schon aus dem Gleichgewicht ist, zeigt eine Fall-Kontroll-Studie an 80 Pferden: Dort war die bakterielle Vielfalt in den betroffenen Stellen geringer und der Anteil an Staphylokokken erhöht. Am stärksten erhöht war er bei den Stellen, die zuvor mit Desinfektions- oder Antibiotikapräparaten vorbehandelt worden waren. Wer da noch etwas Unbekanntes drauflegt, handelt nicht neutral.

Warum scheitern pauschale Hausmittel?

Ein weiterer Grund, warum pauschale Hausmittel scheitern: Mauke ist gar keine einzelne Krankheit. Eine Übersichtsarbeit im Journal of the American Veterinary Medical Association beschreibt sie als unspezifisches Reaktionsmuster der Haut an den unteren Gliedmaßen. Bakterien, Pilze, Milben, allergische Reaktionen oder eine Kombination davon können dasselbe Bild erzeugen. Was bei einer Form hilft, kann bei einer anderen wirkungslos sein oder die Situation verschlechtern.

Dieselbe Arbeit hält fest, dass für keinen einzelnen Erreger eine Ursächlichkeit nachgewiesen ist. Derselbe Denkfehler steckt in der Frage, ob eine Hautreaktion ein Insektenstich ist oder Sommerekzem: Erst das Muster über die Zeit verrät es.

Wer den Auslöser nicht kennt, behandelt ins Blaue. Bei anhaltenden oder sich verschlechternden Befunden führt kein Weg am Tierarzt vorbei.

Was hilft der Haut wirklich?

Den betroffenen Bereich täglich gründlich reinigen und vollständig trocknen. Langes Fesselhaar begünstigt Feuchtigkeitsstau, kurzhalten hilft. Dauerhaft nasse Standverhältnisse so weit wie möglich vermeiden. Die Haut gezielt in ihrer Regeneration unterstützen, anstatt sie mit weiteren Fremdstoffen zu belasten.

Was leistet Propolis an dieser Stelle?

Propolis ist ein Bienenharz, das seit Langem in der Hautpflege eingesetzt wird. Was seine Inhaltsstoffe im Labor tun, ist gut untersucht; was eine Salbe damit auf einer Pferdefesselbeuge bewirkt, ist es nicht. Wir bleiben deshalb bei dem, was sich nachvollziehen lässt: Ein Balsam auf Wachsbasis bildet einen Film auf der Hautoberfläche, der vor Nässe und Schmutz abschirmt.

Damit erfüllt er genau das, was der Abschnitt oben verlangt, und genau das, was Sauerkraut nicht kann: Er hält Feuchtigkeit fern, statt sie zuzuführen.

Unsere Propolis-Salbe ist für die Pflege bei Mauke gemacht, zur Anwendung auf gereinigter, trockener und geschlossener Haut. Bei offenen, nässenden oder sich ausbreitenden Stellen gehört das Pferd zuerst in tierärztliche Hände.

Quellen

[1] Equine pastern dermatitis: a narrative review on clinical presentation, diagnosis, risk factors, prevention, and therapeutic approaches. Journal of the American Veterinary Medical Association, 2023.

[2] The skin microbiota in equine pastern dermatitis: a case-control study of horses in Switzerland. Veterinary Dermatology, 2021.

Über diesen Artikel

Dieser Beitrag ist aus der Pflege-Perspektive geschrieben und ersetzt keine tierärztliche Behandlung. Bei Unsicherheit über Symptome bei Deinem Pferd wende Dich an die Tierärztin oder den Tierarzt Deines Vertrauens.

Bei anhaltenden oder sich verschlechternden Symptomen bitte immer tierärztlichen Rat einholen. Dieser Artikel ersetzt keine veterinärmedizinische Diagnose.

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