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Hausmittel-Check: Zinksalbe mit Lebertran bei Mauke
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Hausmittel-Check · Folge 3 von 7
Anne Sophie Hertrampf · 6 Min. Lesezeit
Inhalt
Zinksalbe mit Lebertran ist bei Mauke kein Unsinn, aber auch keine Pflege. Zinkoxid ist als Hautschutz amtlich anerkannt und trocknet nässende Stellen ab. Der Lebertran steckt im bekanntesten Vorbild, einer Windelsalbe, nur als Hilfsstoff darin. Für die Fesselbeuge heißt das: kurz und gezielt, nicht als tägliche Schicht über Wochen.
Die weiße Dose steht in fast jeder Stallapotheke, und der Tipp wird weitergegeben wie ein Rezept: bei Mauke dick drauf, am besten über Nacht. Er klingt vernünftig, weil beide Bestandteile etwas können. Die Frage ist, ob sie das an einer Fesselbeuge im Oktober können.
Urteil auf einen Blick
| Was geprüft wird | Was dahintersteckt | Unser Urteil |
|---|---|---|
| Zinkoxid auf einer nässenden Stelle | Amtlich als Hautschutz anerkannt, bindet austretendes Sekret und legt sich als Schicht über die Haut | Kurz und gezielt vertretbar |
| Der Lebertran darin | Im bekanntesten Vorbild ein Hilfsstoff, kein Wirkstoff; die Belege stammen aus Nagermodellen | Kein tragendes Argument |
| Als tägliche Pflege über Wochen | Eine Fettschicht über durchnässter Haut schafft gute Bedingungen für Bakterien, sagt eine englische Pferdeklinik | Lieber lassen |
| Vor dem Tierarzttermin | Aufgetragene Mittel verändern Hautflora und Kulturergebnis und damit die Grundlage der Diagnose | Erst fragen, dann auftragen |
Woher kommt der Tipp mit der Lebertransalbe?
Aus der Kinderpflege. Zinkoxid ist in den USA als Hautschutzmittel amtlich monografiert, in Anteilen von einem bis 25 Prozent, und die dafür zugelassene Aussage lautet sinngemäß: trocknet Nässen. Die bekannteste Zinkpaste mit Lebertran ist eine Windelsalbe, und von dort ist das Mittel in die Stallgasse gewandert.
Die Monografie der US-Arzneimittelbehörde beschreibt ein Hautschutzmittel als Zubereitung, die verletzte oder freiliegende Haut vorübergehend vor äußeren Reizen schützt. Ein Adstringens fällt dabei oberflächlich Eiweiß aus. Das ist genau das, was eine Zinkpaste tut.
In der Tiermedizin wird Zinkoxid ähnlich eingeordnet. Das MSD Veterinary Manual nennt es einen äußerlichen Hautschutz und ein Adstringens und gibt als übliche Anteile in Salben 10 bis 40 Prozent an.
Und was macht der Lebertran darin?
Weniger, als sein Ruf vermuten lässt. In der Fachinformation der bekanntesten Lebertran-Zinkpaste steht Zinkoxid als einziger Wirkstoff, der Lebertran dagegen unter den inaktiven Bestandteilen. Er macht die Paste streichfähig. Die Studien, die es gibt, stammen aus Nagermodellen, und eine davon fällt ernüchternd aus.
Nachlesen lässt sich das in der Fachinformation bei DailyMed, der Arzneimitteldatenbank der US-Nationalbibliothek für Medizin. Wer also eine Salbe wegen des Lebertrans kauft, kauft in diesem Fall den Hilfsstoff.
Die am häufigsten zitierte Arbeit dazu, eine Untersuchung an Ohrwunden haarloser Mäuse aus dem Jahr 2000, zeigt den Punkt gut: Gegen die reine Salbengrundlage war Lebertran deutlich überlegen, gegen physiologische Kochsalzlösung war er es nicht. Eine deutsche Arbeit von 2006 prüfte genau die Kombination aus Zinkoxid und Lebertran an mechanisch gereizter Schwanzhaut von Nagern und fand sie den Einzelstoffen überlegen. Und eine Untersuchung an Bein-Wunden von Eseln und Pferden aus 2011 kommt mit drei Wunden je Gruppe und ohne statistische Auswertung aus. Das sind Hinweise, keine Belege, und keiner davon stammt von einer Fesselbeuge unter Behang.
Was kann Zinkoxid auf der Haut wirklich?
Es kann Nässen trocknen. Zinkoxid bindet austretendes Sekret und legt sich als Schicht über die Hautoberfläche. Eine elektrometrische Untersuchung an Windeldermatitis zeigte, dass eine Zinkoxid-Paste das feine Relief der Haut ausfüllt und die Messwerte für Wasserverlust und Wasserbindung normalisiert.
Die Arbeit dazu erschien 2009 im International Journal of Cosmetic Science, und ihre Autoren beschreiben den Effekt als eine Art Abschirmung, die sich über die Hautstruktur legt.
Für Mauke folgt daraus eine Unterscheidung, die in der Stallgasse selten gemacht wird. Eine Zinkpaste ist gut darin, eine nässende Stelle trockenzulegen. Sie ist nicht dafür gemacht, eine schuppige, gespannte Haut geschmeidig zu halten, und genau dieser Zustand steht bei Mauke am Anfang.
Wo liegt das Risiko bei Mauke?
Im Fett über nasser Haut. Die Bell Equine Veterinary Clinic in Kent rät ausdrücklich davon ab, sich bei Mauke auf Barrierecremes zu verlassen: Zwischen durchnässter Haut und der fettigen Schicht darüber entstehen gute Bedingungen für Bakterien. Dazu kommt der Behang, unter dem ohnehin kaum etwas abtrocknet.
Das Center for Equine Health der UC Davis nennt dieselbe Falle für Gamaschen und Bandagen, die über längere Zeit getragen werden. Eine dicke Paste wirkt an einer nassen Fesselbeuge ähnlich.
Ein zweiter Punkt betrifft den Tierarzttermin. Eine Untersuchung des Schweizer Instituts für Pferdemedizin fand bei vorbehandelten Gliedmaßen andere Kulturergebnisse und eine andere Zusammensetzung der Hautflora als bei unbehandelten. Untersucht wurden dort Mittel, die eine Tierärztin verordnet, nicht eine Paste aus der Stallapotheke. Der Gedanke dahinter gilt trotzdem: Was Du aufträgst, verändert den Befund, den die Tierärztin später beurteilt. Die UC Davis führt die vorangegangene Eigenbehandlung deshalb ausdrücklich als Teil der Vorgeschichte auf, die zur Diagnose gehört.
Gibt es dazu Studien am Pferd?
Nein, und das ist keine Lücke in unserer Suche. In der Literaturdatenbank Europe PMC findet sich zu Mauke und Lebertran kein einziger Eintrag, und zu Zink keine Arbeit über eine äußerliche Anwendung. Die aktuellste Übersichtsarbeit zählt die geprüften Ansätze auf, Zinkpaste und Lebertran stehen nicht darunter.
Diese Übersichtsarbeit von 2023 nennt untersuchte Substanzen wie Kunzea-Öl, Phytosphingosine, Triclosan, Fettsäuren und Feuchthaltemittel, und sie hält fest, dass die Therapie weitgehend erfahrungsgeleitet bleibt. Machbar wären solche Studien: Zu Kunzea-Öl gibt es eine randomisierte Untersuchung an 37 Pferden. Es fehlt also nicht die Methode, es fehlt das Interesse an genau diesen beiden Hausmitteln.
Warum sich der Tipp trotzdem hält, zeigt eine Befragung von Pferdebesitzern, veröffentlicht im Schweizer Archiv für Tierheilkunde: 69 Prozent der Behandlungsentscheidungen bei Mauke fielen ohne tierärztliche Beteiligung. Was im Stall weitergegeben wird, ist damit die eigentliche Quelle, nicht die Fachliteratur.
Was ist stattdessen sinnvoll?
Trocknen, aufweichen, geschmeidig halten, in dieser Reihenfolge. Krusten werden eingeweicht und abgenommen, nicht zugedeckt. Danach braucht die Haut eine Grundlage, die auch auf feuchtem Fell haftet und dünn genug aufträgt, um die Stelle nicht unter Fett zu begraben. Eine nässende oder offene Stelle gehört vorher in tierärztliche Hände, nicht unter eine Paste.
Wie das Schritt für Schritt aussieht, steht in unserem Guide zur Mauke. Bleibt die Zinkpaste damit ganz draußen? Nein. Für eine einzelne, deutlich nässende Stelle, kurz angewendet und im Zweifel mit der Tierärztin abgesprochen, hat sie ihren Platz. Als tägliche Pflege der ganzen Fesselbeuge über Wochen hat sie keinen.
Zwei weitere Hausmittel haben wir bereits geprüft: Teebaumöl und Sauerkraut.
Quellen
[1] Skin Protectant Drug Products for Over-the-Counter Human Use. 21 CFR Part 347, US Government Publishing Office, Fassung 2023.
[2] Fachinformation Desitin Maximum Strength, Zinkoxid 40 Prozent. DailyMed, U.S. National Library of Medicine, Stand 2025.
[3] Toxicosis in Animals From Human Topical Agents. MSD Veterinary Manual, 2025.
[4] Electrometric assessment of the effect of a zinc oxide paste in diaper dermatitis. International Journal of Cosmetic Science, 2009.
[5] Topical application of cod liver oil ointment accelerates wound healing. Scandinavian Journal of Plastic and Reconstructive Surgery and Hand Surgery, 2000.
[6] Effects of the zinc oxide and cod liver oil containing ointment Zincojecol in an animal model. Kietzmann, M., Braun, M. Deutsche Tierärztliche Wochenschrift, 2006.
[7] Cod liver oil/honey mixture: An effective treatment of equine complicated lower leg wounds. Veterinary World, 2011.
[8] Mud Fever. Bell Equine Veterinary Clinic, Kent.
[9] Pastern Dermatitis (Scratches). Center for Equine Health, University of California, Davis, 2022.
[10] The influence of clinical severity and topical antimicrobial treatment on bacteriological culture and the microbiota of equine pastern dermatitis. Veterinary Dermatology, 2021.
[11] Equine pastern dermatitis: a narrative review. Journal of the American Veterinary Medical Association, 2023.
[12] Owner-reported clinical signs and treatment decisions in equine pastern dermatitis. Schweizer Archiv für Tierheilkunde, 2022.
Über diesen Artikel
Dieser Beitrag ist aus der Pflege-Perspektive geschrieben und ersetzt keine tierärztliche Behandlung. Bei nässenden, offenen oder sich ausbreitenden Stellen wende Dich an die Tierärztin oder den Tierarzt Deines Vertrauens.
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